Geschichten

nicholas 561663 640Wieder ging das Jahr seinem Ende zu und die kalte unwirtliche Jahreszeit hatte Einzug gehalten. Warme Flanellleibchen mit Strumpfbändern und lange, kratzige Strümpfe wurden wieder herausgeholt. Nasse Füße auf dem Schulweg und verlorene Handschuhe gehörten wieder zum Alltag.

Es war aber auch die Zeit, wo es in der Stube gemütlich wurde, auch wenn es manchmal ekelhaft nach Rauch roch, weil der Kamin nicht richtig zog oder die Ofenrohre innen vom Ruß befreit werden mussten. Dann war es ungemütlich im Haus und wir Kinder spielten dann lieber auf dem Hof.

Es war auch die Zeit der duftenden Bratäpfel und der gebackenen Esskastanien und der vielen Geheimnisse. Es wurde gestrickt, gehäkelt, genäht und andere Basteleien gemacht. Einiges durften wir ja auch nicht sehen, weil es für die Weihnachtsbescherung gedacht war.

Mit Spannung verfolgte ich immer, wenn mein Bruder neue Laternen für den Nikolauszug bastelte. Er schnitt aus Sperrholz Brettchen zurecht und sägte mit der Laubsäge schöne Ornamente heraus. Die ausgeschnittenen Öffnungen wurden mit buntem Transparentpapier hinterklebt. Nachdem die Teile zusammengebaut waren, wurde der Boden eingesetzt und eine Kerze darauf befestigt. Mein Bruder brachte noch einen Drahtbügel an, damit man die Lampe an einen Stab hängen konnte.

Für meine Schwester und mich hatte er kleinere Laternen gemacht, weil sie sonst zu schwer geworden wären. Wir waren ganz stolz darauf.

An einem Nikolaustag hatte es schon den ganzen Morgen geregnet, aber zum Glück hörte es kurz vor Schulschluss auf. Wir eilten nach Hause zum Mittagessen und dann mussten wir uns auf den Weg zurück ins Dorf machen. Um 15.15 Uhr sollten alle Kinder wieder auf dem Schulhof sein. Es war nicht kalt, aber es zogen viele dunkle Wolken auf, das Wetter sah nicht gut aus.

Die Lichter in den Laternen wurden angezündet und alle warteten aufgeregt auf den Nikolaus. Als er endlich mit Knecht Ruprecht ankam, war auch die schwarze Wolkenwand da. Der Sturm brach los, es blitzte und donnerte. Vor dem einsetzenden Sturzregen konnten sich alle gerade noch in die Schule retten.

Als der Himmel sich wieder beruhigt hatte, konnten wir dann noch wie vorgesehen, den heiligen Mann und Knecht Ruprecht mit unseren Laternen zum Antoniushaus begleiten. Natürlich sangen wir:

"Wer kommt dort aus dem Himmel hernieder auf die Welt..." Der Nikolaus teilte Lob und Tadel aus. Es wurden Gedichte vorgetragen, ein Theaterstück aufgeführt und Lieder gesungen.

Der Nikolaus verteilte dann an jedes Kind eine Tüte mit Plätzchen, Äpfeln und Nüssen.

Danach gingen wir mit unseren Laternen, in denen der letzte Kerzenstummel schon erloschen war, und mit der Tüte unter dem Arm nach Hause. Es war schon recht dunkel und eine Taschenlampe hatten wir nicht, so war es schwierig, auf den glitschigen, aufgeweichten Feldwegen zu gehen und nicht auszurutschen.

Meine Mutter hatte sich schon Sorgen gemacht und kam uns ein Stück entgegen. Und wir freuten uns auf die warme Stube.

©Rosemarie Brathe

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See-News 11/2019 erschienen
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