strickenWenn man überlegt, hat sich so einiges geändert in den Jahrzehnten. Der übertriebene Rummel um Weihnachten, der schon direkt nach den Sommerferien anfängt. Da liegen schon die Süßigkeiten und das Weihnachtsgebäck in den Läden. Bald danach tauchen die ersten geschmückten Tannen auf. Bei einer Umfrage, von der ich gelesen habe, stellte sich heraus, dass viele Leute gar nicht wissen, warum Weihnachten gefeiert wird, dass es eigentlich ein christliches Fest ist. Viele schimpfen und lästern über die Kirche und unseren Glauben, treten aus der Kirche aus, aber die meisten feiern trotzdem Weihnachten. Es ist schon irgendwie eigenartig. Die Kinder schreiben Wunschzettel, und je nach Möglichkeit werden die Wünsche erfüllt. Da schenken die Eltern, Opa und Oma, Patenonkel und Tanten usw. Es gibt ja heute auch alles zu kaufen. Gestern war das noch anders, ach nein, es war doch schon vorgestern. Gestern waren meine Kinder klein, vorgestern war ich ja noch ein Kind. Da wurden in der Adventszeit Geschenke gebastelt, aus Holz, z.B. die Puppenstube, Kaufladen. Puppenwiege und Bettchen. Auch die dazu gehörigen Puppen wurden selbst gemacht, mit Schafwollhaaren und hübschen Kleidchen. Natürlich wurde auch viel gehäkelt, genäht, gestickt und gestrickt. Pullover, Schals, Handschuhe. Mützen und Socken - oder Pantoffeln. Wenn wir dann von der Schule oder vom Spielen nach Hause kamen, ließen sie alles schnell verschwinden. Ich fand sie schön, diese geheimnisvolle Zeit. Wir haben uns immer über die selbstgemachten Sachen gefreut. Frühzeitig brachte meine Tante uns die die Handarbeit-Techniken bei. So konnten wir. - meine Schwester und ich - auch für unsere Mutter Geschenke herstellen, z.B. Taschentücher umhäkeln oder Decken und Kissen besticken.1949 war das schönste Weihnachtsfest für meine Oma. Da kam Ihr Satin am Heiligen Abend aus russischer Gefangenschaft zurück nach Hause. Es waren noch einige andere Heimkehrer dabei. Sie wurden vom Reiterverein am Bahnhof Haltern abgeholt und einzeln nach Hause gebracht. Es herrschte überall große Freude, auch bei meinen Tanten und meiner Mutter, sie waren ja seine Schwestern. Meine Mutter hätte ihren Mann, unseren Vater, auch gerne zurück gehabt aber dieses Glück blieb ihr leider nicht vergönnt. Erwurde noch 1945 Opfer des Krieges. Ich werde das Weihnachtsfest nie vergessen.

Rosemarie Brathe