rhodosVor Jahren, als mein Partner noch lebte, machten wir gerne Urlaub in Griechenland. Genauer gesagt, wir verliebten uns in die Insel Rhodos. Gleich beim ersten Mal lernten wir eine nette Familie kennen, ein Ehepaar mit zwei kleinen Söhnen. Sie hatten ein Geschäft in der Altstadt von Rhodos mit Textilien. Mich Interessierten die schönen Tischdecken. Wir betraten den Laden und wurden sehr freundlich begrüßt. Das ist natürlich selbstverständlich, wenn man etwas verkaufen will. Der Mann sprach sehr gut Deutsch, er hatte Freunde in Essen und kannte Deutschland. Wir unterhielten uns lange bei einem Kaffee. Beim zweiten Besuch wurden wir gleich zu einer Fete in seinem Gartenhaus eingeladen. Seine Frau Friederike war auch sehr nett, aber die deutsche Sprache beherrschte sie nicht gut In unserem dreiwöchigen Urlaub haben wir eine echte Freundschaft geschlossen.Thanasis nahm uns am Abend mit zu einem größeren Platz. Dort trafen sich die Geschäftsleute nach Ladenschluss und setzten sich zu einem gemütlichen Feierabend zusammen. Wir wurden gleich integriert und gehörten dazu. Wir fuhren dann mit dem letzten Bus zum Kalitea-Strand, wo wir in unserem Hotel wohnten. Als der Urlaub zu Ende ging, mussten wir versprechen, im nächsten Jahr wiederzukommen. Als wir im nächsten Jahr wieder da waren, wurden überall Vorbereitungen für ein Fest getroffen. Wir fragten, was denn los wäre. Ja, sagte man uns, übermorgen ist Ostern. Wir waren erstaunt, denn bei uns war schon vor einer Woche Ostern. Ja. das griechische Osterfest würde nicht immer am gleichen Datum gefeiert wie das deutsche Osterfest. sagte man uns. Es ist für die Griechen aber viel wichtiger als das Weihnachtsfest.Am Samstagabend begannen dann die Feierlichkeiten. Von unserem Hotel aus gingen wir eine steile Straße bergauf, denn oben stand die nächstgelegene Kirche in einem kleinen Ort. Schon von weitem hörten wir die Stimme des Geistlichen vom hohen Turm. Ale Leute waren festlich gekleidet Die Kirche war überfüllt und viele standen auf dem Kirchplatz um die Zeremonie mitzufeiern. Wir stellten uns auch dazu. Man musste gutes Stehvermögen haben, denn die Feier dauerte bis Mitternacht. Dann kam der Pope mit seinem Gefolge auf den Kirchplatz, und es wurde draußen noch einmal gebetet. Plötzlich liefen die Jungs, die wie bei uns die Messdiener dort wohl die gleiche Aufgabe hatten, ganz schnell hinter eine Hecke. Ich dachte, die haben sicher Druck auf der Blase. Es war aber ein anderer Grund. Es wurden Knallkörper abgeschossen. wie bei uns zu Silvester. Danach trafen sich die Leute noch zum Essen. Es gab Mittemachissuppe. zubereitet aus Innereien der geschlachteten Lämmer. Am Ostersonntag wurden überall, auch vor den Hotels, die Lämmer am Spieß gebraten. Wir waren bei unseren Freunden eingeladen und feierten mit ihnen, Ihren Verwandten und Freunden.Es war mal ein ganz anderes Osterfest als bei uns zuhause. Der Brauch war, es wurden rot bemalte Eier aneinander geschlagen, dessen Ei dabei nicht kaputtging, hatte viel Glück bis zum nächsten Osterfest. Es war wieder ein schöner Urlaub, und es folgten noch viele auf unserer geliebten Insel. Noch heute schreiben wir uns oder telefonieren mit den Freunden in Griechenland.

Rosemarie Brathe